Die alte Schmiede ließ ihn nicht mehr los

Von: Thomas Eisenkrätzer

Struxdorf - Kein Mensch hatte mehr daran geglaubt, dass in der 154 Jahre alten Belliger Schmiede in Struxdorf jemals wieder ein Schmied arbeitet. Doch dann kam Karl-Lorenz Munnecke (41), sanierte die Ruine und führt jetzt, wie er sagt, "einen guten Betrieb".

Am Anfang war das Pech: Munnecke, der zuletzt in einer Kunstschmiede in Dithmarschen gearbeitet hatte, wurde arbeitslos. Doch da war diese alte Schmiede, die er jeden Tag sah, wenn er aus seinem Küchenfenster schaute: Ein kleines, einfaches, halbverfallenes Gebäude, in dem nichts weiter stand, als der Ofen und der Amboss. Weil Munnecke bei einem kleinen Dorfschmied gelernt hatte, reizte ihn diese Schmiede. Schon früher, in den elf Jahren, in denen er noch als Metallbauer in Satrup arbeitete, hatte er hier ab und zu nach Feierabend das eine oder andere kleine Teil hergestellt ? mal einen Pflanzstab, mal ein Windspiel. Und nun reifte in ihm langsam der Plan, mehr daraus zu machen.

Und das tat er: Zuerst mietete er das Gebäude, erneuerte Decke, Wände und Elektrik, und schließlich kaufte er es im vergangenen Jahr. Außerdem zog er mit seiner Frau Birte (38) und den Söhnen Jeldrik (11), Filas (10) und Espen (3) in das Wohnhaus direkt nebenan. Anfangs wusste er nicht, ob er überhaupt etwas absetzen würde. Er wusste nur: "Im Entwerfen und Zeichnen liegt meine Stärke." Doch es lief gut an, und heute verkauft er außer Pflanzstäben und Windspielen Dinge wie Gartentore, Geländer, Obelisken und Gartenskulpturen ? hergestellt in Handarbeit, kaum anders als vor 154 Jahren. "Ich sehe mich als Metallgestalter, als Kunsthandwerker, als Künstler, bei dem das Handwerkliche im Vordergrund steht", sagt er.

Inzwischen hat er einen Lehrling eingestellt, fährt auf Kunsthandwerkermärkte, die er "wie Messen nutzt, um sich bekannt zu machen", und kann vom Verkauf "ab Schmiede" sich und seine Familie ernähren. Das hat sogar die Handwerkskammern und die Volks- und Raiffeisenbanken beeindruckt, die Munnecke im vergangenen Jahr zum ersten Sieger des VR-Förderpreises Handwerk kürten - ein Preis, mit dem "vorbildliche Handwerksbetriebe für ihre hervorragenden Leistungen" ausgezeichnet werden. Und Karl-Lorenz Munnecke sagt: "Das ist ein Pfund, mit dem ich in Jahren noch wuchern werde."